Finanzen in der Partnerschaft

    Finanzen in der Partnerschaft

    Bisher habe ich meine finanziellen Angelegenheiten unabhängig von meinem Mann geregelt, aber da ich von meiner neuen Herangehensweise sehr überzeugt bin, ist es natürlich auch notwendig ihn mit einzubeziehen. Schließlich sind die Finanzen in der Partnerschaft ein Thema bei dem beide an einem Strang ziehen sollten. Dabei finde ich, ist es besonders wichtig, dass sich keiner der beiden vom jeweils anderen abhängig oder umgekehrt, ausgenutzt fühlt. Beide Parteien sollten entsprechend ihres Einkommens gleiche Anteile einbringen und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.

    Jetzt hole ich meinen Mann an Bord

    Nachdem nun schon einige Monate vergangen sind, als ich begonnen habe, mein Geld in ETFs anzulegen und weder der große Crash kam und alles auf Null gefallen ist, noch ich einem irreparablen Nervenleiden erlegen bin, kann ich meinen Mann davon überzeugen mit einzusteigen. Mir war es selbst am Anfang ganz lieb mein theoretisches Wissen, ausschließlich mit meinem eigenen Geld, in die Praxis umzusetzen. Bei uns ist es so, dass jeder sein eigenes Konto hat, auf dem sein Gehalt landet. Ansonsten hätte der unbändige Kaufwahn wahrscheinlich schon viel früher ein sehr abruptes Ende gefunden. Gemeinsame Fixkosten, wie Miete, Nebenkosten und Urlaube teilen wir, prozentual gemessen an unserem jeweiligen Gehalt, auf. Ich habe am Anfang des Monats „versucht“ einen bestimmte Betrag zu sparen und mein Mann dann eben das, was bei ihm am Ende übrig blieb.

    Unsplash / Jason Coudriet / 2019

    Die Erkenntnisse meines Mannes

    Dazu sei gesagt, dass das Gehalt meines Mannes um 45% höher ist als meines und er an sich ein recht sparsamen Mensch ist. Er ist der Typ, der sich wirklich nur ein neues Paar Schuhe oder einen Pullover kauft, wenn es kaputt oder nicht mehr ansehnlich ist. Auch sonst hat er keine großen Wünsche, die in übertriebenen Ausgaben enden. Ich würde es als absolut normales Konsumverhalten bezeichnen. Das gefällt nicht nur mir gut, jetzt wo ich auch die Finanzen in unserer Partnerschaft verantworte, sondern auch seinem Konto. Er hat es tatsächlich geschafft in den letzten Jahren eine weitaus größere Summe anzusparen.

    Nur nachdem was ich alles darüber gelernt habe, wie wir richtig anlegen und sparen können, stößt mir dieser Batzen Kohle geparkt auf dem Girokonto (!) schon etwas sauer auf. Nach einigen Tagen Überzeugungsarbeit schaut sich auch mein Mann das erste Mal die Verteilung seiner Ausgaben an und fängt an darüber nachzudenken wo er denn noch überall Geld rumzuliegen hat. Bei beidem erlebt er eine Überraschung. Erstaunt stellt er fest, wie viel Geld er regelmäßig für Lebensmittel ausgibt und umgekehrt, wie gut seine Eltern doch für ihn vorgesorgt haben. So findet sich plötzlich noch ein Tagesgeldkonto, auf der nochmal die gleiche Summe schlummert, wie auf seinem Girokonto. Also auch mein Mann hatte seine Aha-Erlebnisse und ich bin froh, dass er sich von seinen eher konservativen Glaubenssätzen in Bezug auf das Sparen hat abbringen lassen. Denn, wie wir bereits wissen, ist die Lösung aller Probleme sicher nicht, alle Ersparnisse auf dem Girokonto vergammeln zu lassen.  

    Unser neues Sparsystem

    Entgegengesetzt aller Ratgeber und Empfehlungen haben mein Mann und ich keinen Ehevertrag. Vielleicht holen wir das noch nach, vielleicht aber auch nicht. Sonst heißt es ja immer überall: Vor allem im Bezug auf Geld soll man sich doch bitte einigen solange man sich noch liebt, denn wie sieht es erst aus, wenn man sich im Falle einer Scheidung darüber streiten muss. Ich kann es gut nachvollziehen, dass viele Paare sich für einen Ehevertrag entscheiden. Es gibt gute Gründe dafür, dennoch hat es dieses Thema noch nicht auf unsere Prioritätenliste geschafft. 

    Unsplash / Alexandru Goman / 2019

    Kann uns später auf die Füße fallen, muss aber nicht. Wir entscheiden uns mit unserem Konzept nun noch mal gegen die allgemein vorherrschenden Richtlinien. Wir schmeißen gedanklich unsere Einkommen zusammen und legen fest, dass mein Mann nun, die zuvor geteilten Fixkosten, komplett übernimmt und ich mein komplettes Gehalt, nach Abzug wie Tankkosten, Bücher etc. komplett spare. Zusätzlich wird auch er noch eine zuvor festgelegte Summe sparen und diese direkt aufs Verrechnungskonto überweisen. Meinen Sparanteil überweise dann auch ich sowohl aufs Verrechnungs- als auch aufs Tagesgeldkonto, entsprechend unserer Risikoverteilung. Bei onvista habe ich nun ganz easy, im Prinzip kleine Daueraufträge angelegt, um unsere ETFs automatisch zu besparen. Bisher klappt das alles ganz hervorragend und wir fühlen uns damit wohl 🙂

    Titelbild: Unsplash / Marifer / 2019

    Wie sollte meine Kontostruktur aufgebaut sein?

    Wie sollte meine Kontostruktur aufgebaut sein?

    Es soll ja Menschen geben, die ihr gesamtes Geld auf einem einzigen Konto horten. Bestes Beispiel: mein Mann. Bis vor Kurzem lagen auf seinem Girokonto all seine Ersparnisse. Dorthin flossen die monatlichen Einnahmen und alle anfallenden Ausgaben wurden von dort abgebucht.

    Bei mir sieht das komplett anders aus. Mittlerweile habe ich ein normales Girokonto bei der Sparkasse, das ich ja aufgrund der Gebühren, wenn alles umgestellt ist, kündigen werde. Dafür habe ich ein neues Girokonto bei der comdirect und dazu gab es auch gleich noch ein Tagesgeldkonto. Zusätzlich hatte ich mir schon vor etlichen Jahren ein Tagesgeldkonto bei der consorsbank angelegt und vor über einem Jahr auch ein Depot, das ich nie genutzt habe. Das Tagesgeldkonto war mal dafür gedacht dort immer ca. 24% meines Einkommens zu sparen. Heißt ich hatte den eigentlich guten Plan mit einem Dauerauftrag dieses Geld am Anfang des Monats zu sparen. In der Theorie eine sehr gute Idee, leider hat sich diese in der Praxis nicht so umsetzen lassen. Sprich die 24% wanderten am 01. auf das Tagesgeldkonto und spätestens drei Wochen später wieder zurück aufs Giro, da es ja noch einige offene Rechnungen gab, die bitte zeitnah beglichen werden wollten. Also diente dieses Tagesgeldkonto mehr als Pseudo-Rücklage, um mein Kaufverhalten vor mir und anderen zu rechtfertigen. Ganz nach dem Motto: Guck, schließlich spare ich auch, also kann ich mir auch was kaufen! Ein bisschen wie der kleine Salat vor dem Schnitzel mit Pommes, um zu behaupten man ernähre sich doch gesund.

    In den letzten Monaten habe ich es allerdings wirklich geschafft diesen Anteil zu sparen und natürlich auch wie bereits berichtet mein letztes restliches Geld ins Depot zu schieben. Sehr gut! Das Depot bei der Consorsbank habe ich also erstmal genutzt, weil es quasi schon da war. Allerdings gibt es einige Punkte, die ich bei der Auswahl der passenden Bank für ein Depot beachten würde. Denn ein Punkt gefällt mir nun beispielsweise nicht sonderlich gut und zwar, dass ich 0,25% Orderprovision auf meinen Sparbetrag zahlen müsste. So belasse ich es also bei diesem Depot zunächst beim Rebalancing nach einem Jahr.

    Aus diesem Grund haben mein Mann und ich ein weiteres Depot bei onvista eröffnet. Dort sind bereits Sparbeträge ab 50€ pro Monat möglich ohne zusätzliche Orderprovisionen dafür zu zahlen. Dort werden wir jetzt größere Beträge in ETFs investieren plus die geplante monatliche Sparsumme.

    Meine Kontostruktur

    Also meine Kontostruktur sieht demnach folgendermaßen aus:

    • ein Girokonto bei einer Direktbank ohne zusätzliche Kosten
    • ein Tagesgeldkonto, das dort automatisch zusätzlich eingerichtet wurde, auf das mein risikoloser Anteil meines Portfolios wandert
    • ein “altes” Depot, mit dem ich meine ersten Versuche gestartet habe, mit dem ich jetzt bis auf das Rebalancing nichts weiter machen werde, da meine ETFs dort nicht kostenlos sparplanfähig sind
    • Bei der gleichen Bank ein “Altes” Tagesgeldkonto, auf das früher meine Sparbeträge gewandert sind, mit dem aber nun auch nichts weiter passiert, außer das dort mein Notgroschen liegt

    Damit das bei dir nicht alles so chaotisch aussieht, wie bei mir, möchte ich dir hier einen kleinen Vorschlag machen, wie du es besser machen kannst.

    Die ideale Kontostrukutur

    • ein Girokonto auf das deine Einnahmen fließen und von dem du alle weiteren Summen verteilst
    • ein Tagesgeldkonto für deinen risikolosen Anteil deines Portfolios, ggf. kannst du diesen auch über Staatsanleihen ETFs abbilden, diesen Anteil schiebst du idealerweise zu Beginn des Monats direkt automatisch dorthin
    • Wenn du dir die Kosten für Miete, Lebensmittel, Strom, Internet,… mit jemandem teilst: ein gemeinsames Haushaltskonto, auf das du, entsprechend deines Einkommens, einen prozentualen Anteil beisteuerst
    • Ein Tagesgeldkonto, auf dem du deinen Notgroschen hast
    • Ggf. noch ein Spaßkonto auf das Beträge für Urlaube, Kino, Shopping, usw. wandern
    • Depot und Verrechnungskonto, hierhin geht dein risikobehafteter Anteil deines Sparbetrags, am betsen per Dauerauftrag voll automatisiert am Anfang des Monats

    Titelbild: Unsplash / Alvaro Pinot / 2019

    Was sind Sunk-Costs?

    Was sind Sunk-Costs?

    Ich möchte diesen Beitrag gleich mal mit einem Beispiel beginnen. Ziemlich viele von uns haben eines, haben es abgeschafft oder planen eines zu kaufen – ein Auto. Ich gehöre ja selbst auch zur Fraktion Autofahrer. Derzeit befinde ich mich leider in der Situation, dass mein Auto, nachdem ich zahlreiche Reparaturen für den TÜV habe machen lassen, dennoch ständig kaputt geht. 

    Ich habe also vor nicht allzu langer Zeit erst einen sehr großen Batzen Geld in mein Auto investiert und möchte es nun ungern abschreiben. Nichtsdestotrotz verursacht mein Auto gerade monatlich nicht unerhebliche Kosten, da einfach ständig etwas kaputt geht. Es ist halt ein in die Jahre gekommener Stadtflitzer. So erliege ich selbst der Illusion der „Sunk Costs“. Ich habe in der Vergangenheit recht viel Geld investiert und möchte das Auto nicht abgeben, obwohl der Zeitpunkt wohl längst gekommen wäre. Ich bin bei meiner Entscheidung von in der Vergangenheit liegenden “Verlusten” emotional beeinflusst, anstatt rational an diesem Punkt eine neue Option in Betracht zu ziehen.

    Schlagen wir nun die Brücke zum Anlegen – zwei Herzen in meiner Brust

    Stellen wir uns vor meine Nachbarin Kristin hat in Aktien angelegt und seit einiger Zeit entwickeln sich die Kurse überhaupt nicht gut. Mittlerweile stehen die Kurse sogar 50% schlechter, als zu dem Zeitpunkt, als sie eingestiegen ist. Sie erzählt mir, dass sie überlegt durch einen Verkauf, die Verluste tatsächlich zu realisieren. Das ist sehr bitter. Ich rate ihr davon ab, da ihre Strategie ja langfristig angelegt ist. Im selben Atemzug meint sie dann aber auch zu mir, dass sie genau jetzt in den Markt einsteigen würde, wenn sie nicht bereits investiert hätte. Klingt jetzt erstmal widersprüchlich. Aber das ist genau das Gefühl, das sich hin und wieder mal einschleichen kann, wenn die Kurse gerade über einen langen Zeitraum nach unten gehen. Diese Verluste aus der Vergangenheit werden im Wirtschaftsjargon “sunk costs” genannt. Das kann auf der emotionalen Ebene erstmal ziemlich ärgerlich sein, sollte aber rational gesehen deine zukunftsgerichteten Entscheidungen nicht beeinflussen. Kristin sollte anstatt ihre Anteile zu verkaufen und damit ihre Verluste zu realisieren, eher umgekehrt handeln und weitere Anteile hinzukaufen, da die Kurse gerade besonders günstig sind. Also nochmal zusammengefasst, deine vergangenen Verluste, sollten deine zukünftigen Entscheidungen rational gesehen, nicht beeinflussen. Weine nicht über verschüttete Milch 😉

     

     

     

    Titelbild: Unsplash / Toa Heftiba / 2019

    Wozu brauche ich einen Notgroschen?

    Wozu brauche ich einen Notgroschen?

    Bevor du anfängst dein ganzes gespartes und auch zukünftiges Geld in irgendeiner Art anzulegen, solltest du dir einen Notgroschen parat halten. Was wieso das denn? Ich dachte, wenn ich mein Geld irgendwo auf dem Girokonto oder sogar auf dem Sparbuch versauern lasse, frisst es nur die Inflation. Das ist soweit auch erstmal richtig, dennoch möchte ich dir ans Herz legen dir einen Notgroschen beiseite zu packen, auf den du im Notfall unmittelbar zurückgreifen kannst. Ich erklär dir auch anhand eines kurzen Beispiels, warum du am Ende damit mehr Geld sparst, als du mit deinem liegen gelassenen Notgroschen verlieren könntest.

    Warum ist ein Notgroschen so wichtig?

    Also malen wir doch mal ein kleines Horrorszenario aus. Du lebst gemeinsam mit deiner kleinen Familie in einer gemeinsamen Wohnung. Du und dein Partner haben ein festes Einkommen, mit denen ihr euch Drei gut über die Runden bringen könnt. Demnächst wollt ihr aus eurer Wohnung ausziehen, da ihr in der Umgebung ein Haus gekauft habt, das aber noch etwas Renovierungsbedarf hat. Um das alles zu bewerkstelligen habt ihr einen Kredit aufgenommen. Bei deinem Partner auf der Arbeit läuft es gerade etwas schleppend und die Auftragslage ist schlecht. Da sich die Situation über einen längeren Zeitraum nicht entspannt, kommt es wohl oder übel zu Entlassungen, auch dein Partner ist davon betroffen und es kommt für ihn zur unmittelbaren Kündigung. Relativ zeitnah müsst ihr nun zusehen, wie ihr nur noch mit einem Einkommen zurechtkommt und trotzdem alle laufenden Kosten bewältigt. Als wäre das zusammengenommen nicht schon schlimm genug, geht am nächsten Tag auch noch eure Waschmaschine kaputt und ihr habt einen Wasserschaden, den ihr begleichen müsst. Jetzt seid ihr ziemlich aufgeschmissen, denn ihr habt kein weiteres Geld gespart. Fieberhaft überlegt ihr, wie ihr nun an das Geld kommen könnt, das ihr nun so dringend benötigt. Natürlich ist die Situation nicht ausweglos und es gibt für jedes Problem eine Lösung. Dennoch erscheint es euch die einfachste Variante nun eure ETF-Anteile, die ihr die letzten Jahre so schön bespart habt, zu verkaufen. Leider sind die Kurse genau zu diesem Zeitpunkt ziemlich beschissen. Das heißt ihr verkauft eure Anteile 10% unter dem Wert, den ihr ursprünglich beim Kauf bezahlt habt. Ihr macht also einen richtig fetten Verlust, weil ihr unter Zeitdruck eine solche Entscheidung fällen musstet.

    Wie hoch sollte mein Notgroschen sein?

    Aber damit dir genau das nicht passiert und du nicht aus der Not heraus zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf den Verkaufen Button klicken musst, legst du einen Notgroschen an. Dieser sollte etwa drei Netto – Einkommen umfassen, sodass ihr für den Zeitraum von drei Monaten auch ohne ein zweites Gehalt auskommen könnt oder in dem Falle, dass es nur ein Einkommen gibt, dann eben ohne dieses eine Einkommen. So kann der Notgroschen dich davor bewahren Entscheidungen treffen zu müssen, die dich hinterher eine Stange Geld kosten. Auch, wenn hier vielleicht noch Faktoren, wie das Arbeitslosengeld oder Abfindungen greifen, gibt dir der Notgroschen eine zusätzliche Sicherheit, um die Zeit bis zum nächsten Job gut zu überbrücken Also Notgroschen ansparen, dann anlegen 😉