Wie du den Shopping – Kreislauf durchbrechen kannst

    Wie du den Shopping – Kreislauf durchbrechen kannst

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    Wie du den Shopping – Kreislauf durchbrechen kannst

    Vor ein paar Tagen habe ich mir, um mich während des Stillens etwas berieseln zu lassen, den Film 100 Dinge mit Schweighöfer und Fitz gestartet. Auch, wenn ich jetzt nicht wirklich ein Schweighöfer Fan bin und einem die Message des Films mit der Holzkeule übergezogen wird, bis sie auch der Letzte verstanden hat, Popcornkino eben, war es dennoch eine gute Message, wie ich finde.

    Titelbild: Unsplash / Thor Alvis / 2021

    100 Dinge – worum geht es in dem Film

    Falls du den Film noch nicht gesehen und jetzt keine Lust zum googeln hast, fasse ich ihn jetzt nochmal ganz subjektiv für dich zusammen. Schweighöfer und Fitz spielen zwei Start-up Inhaber in Berlin, die eine außergewöhnliche App entwickelt haben. Diese spricht auf ganz persönliche Weise mit dem Nutzer und sammelt dafür im Hintergrund zig Millionen Daten. Ideal, um dem Nutzer alles mögliche zu verkaufen, was Schweighöfer (alias Toni) auch direkt an Fitz (aka Paul), ohne sein Wissen getestet hat. Das findet Paul nicht so super und so kommt es vor versammelter Belegschaft zur Wette: beide müssen alles, was sie besitzen abgeben und dürfen sich jeden Tag genau eine Sache zurückholen und das für die nächsten 100 Tage. 

    100-dinge

    Titelbild: Unsplash / Luca Laurence / 2021

    Warum kaufen wir so viel ein?

    Von den 150 Produkten, die Paul beim Test der App vorgeschlagen werden, hat er 150 gekauft. Einige davon hat er sogar zuvor schon besessen. Er versucht mit seinen Käufen eine innere Leere zu füllen und redet sich damit ein glücklicher zu sein. Das ist er vielleicht ja auch, für einen sehr kurzen Moment, bis die innere Leere wieder auftaucht. 

    Ich verbinde mit Shopping sowohl positive als auch negative Gefühle

    Für mich hatte (und hat auch manchmal heute noch) das Einkaufen immer zwei Seiten. Auf der einen Seite durchfährt mein Körper eine Welle, ein kleiner Rausch des Glücks. Aber gleichzeitig fühle ich mich auf der anderen Seite immer schlecht. “Ich wollte doch jetzt kein Geld ausgeben. Eigentlich kann ich mir das gar nicht leisten. Eigentlich habe ich schon eine Tasche, die fast genauso aussieht. Ich habe zwanzig Röcke, die so ähnlich sind. Mein Konto ist schon in den roten Zahlen. Ich muss eigentlich noch die Miete überweisen. Ich wollte doch diesen Monat sparen.”, sind nur einige der Gedanken, die mir vor allem vor etwa drei Jahren noch jedes Mal durch den Kopf gegangen sind. Das Shoppen hat mich also nicht glücklich, sondern eher verzweifelt, traurig, ängstlich, mürrisch oder getrieben fühlen lassen. Immer auf der Suche nach dem nächsten Teil.  

    Wir leben in einer Welt des Mangels

    Wir leben in einer Welt, in der uns permanent vorgegaukelt wird, dass wir so wie wir sind, nicht genug sind. Wir haben das ständige Gefühl von Mangel. Anstatt dann aber in uns selbst, im Inneren nach Fülle zu suchen, gehen wir ins Außen. Wir versuchen diese innere Leere mit Dingen zu füllen, bei denen uns zuvor versprochen wurde, dass diese uns endlich ganz machen würden. Doch oh Wunder, das passiert nie. Deshalb müssen wir immer noch etwas kaufen und noch etwas und noch etwas. Und wir reden uns ein, wenn ich erst dieses Paar Schuhe besitze, dann bin ich glücklich oder, wenn ich erst dieses neue iPhone habe, dann bin ich glücklich. So sind wir in der unendlichen Schleife des Konsums gefangen, auf der nie endenden Suche nach Glück und Erfüllung.



    Wie kann ich diesen Shopping-Kreislauf durchbrechen?

    Zunächst einmal, ist eine Sache, die dich als Mensch ausmacht, die Fähigkeit deine Gedanken auf einer Metaebene zu betrachten. Du bist also dazu in der Lage über deine Gedanken nachzudenken. 

    Und das ist auch schon der erste Schritt:

    • Werde dir deiner Gedanken bewusst. Sieh sie dir an und erkenne, wann wieder Sätze auftauchen, wie: “Ich brauche unbedingt dies noch.” oder “Ich muss noch jenes haben.”

    Anstatt dir ständig einzureden, dass du noch etwas brauchst oder kaufen musst, sage dir selbst: “Ich bin genug.” Mir hilft auch oft der Satz: “Ich habe genug:” Dabei gehe ich gedanklich nochmal all die Kleider, Tops, Hosen, Taschen, Schuhe, Röcke und auch den ganzen anderen Krempel in meiner Wohnung durch und merke, wie wahr dieser Ausspruch ist. 

    Also der zweite Schritt lautet:

    • Dankbarkeit. Sei dankbar für die Dinge, die du hast und das sind natürlich in erster Linie nicht nur materielle Dinge, sondern auch Freunde, Familie, Nachbarn, Kollegen,…

    Setz dich einmal hin, nimm dir ein Blatt Papier und einen Stift und notiere dir zehn Dinge, die dich wirklich erfüllen, die dich wirklich glücklich machen.

    Das kann zum Beispiel sein:

    • Ein Treffen / Telefonat / Gespräch mit einem Freund / Kollegen
    • Eine Tasse Tee
    • Ein gutes Buch lesen
    • Einen Podcast hören
    • Ein langer Spaziergang durch die Natur
    • Ein Gericht kochen oder etwas backen
    • Ein paar Zeilen zu schreiben
    • Etwas malen / basteln / gestalten
    • Fotografieren
    • Ein Instrument spielen
    • Sport
    • Eine Meditation
    • Gärtnern
    • usw. 

    Ich bin mir sicher, da fallen dir einige Dinge ein. Falls nicht, ist es vielleicht wieder an der Zeit genau diese Dinge wieder in dein Leben zu holen oder mal wieder etwas neues auszuprobieren. Schau, wie du dich dabei fühlst. Gibt dir diese Tätigkeit etwas? Fühlst du dich erfüllt?  

    Somit ist der dritte Schritt:

    • Lebe in Fülle. Tue Dinge, die dich wirklich erfüllen und dir nachhaltig Freude bereiten und dich nicht mit einem schlechten Gefühl zurücklassen. 

    Machst du noch mit beim Shoppingwahnsinn zum Black Friday?

    Machst du noch mit beim Shoppingwahnsinn zum Black Friday?

    Machst du noch mit beim Shoppingwahnsinn zum Black Friday?

    Morgen ist es wieder soweit. Der Black Friday startet. Eine Rabattschlacht, die zum hemmungslosen shoppen einlädt. Mittlerweile beginnt der “Black Friday” in den meisten Shops am Montag vorher und hat sich bereits zu einer Black Week ausgedehnt, die dann (hoffentlich) mit dem Cyber Monday ihren Abschluss findet. 

    Dieser Abschnitt stellt nicht nur die konsumstärkste Zeit des Jahres dar, sondern läutet gleichzeitig das Weihnachtsgeschäft ein.

    Rabattaktionen

    Laut der neuesten Studie der Bitkom reagieren 77% der Online-Shopper besonders auf den Preis. In der Altersgruppe der 16 -29 Jährigen sind es 81%. Daher haben die unzähligen Angebote des “Black Fridays” eine durchschlagende Wirkung auf den Konsum. Bei meinem Bericht über meinen Rückfall, hatte ich ja bereits geschrieben, dass auch bei mir die beiden Faktoren Rabatt (in Form der Glamour Shopping Week) und Soziale Medien (besonders Influencer auf Instagram) entscheidend bei meinem Kaufverhalten waren. Die Ergebnisse der Studie zeichnet ein ähnliches Bild. So sind für 44% der 16-29 Jährigen Rabattaktionen ein ausschlaggebendes Kaufkriterium.

    [Quelle: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Online-Shopper-achten-Rabatte-fordern-mehr-Umweltschutz]

    für 44% der 16-29 Jährigen ist eine Rabattaktion ein ausschlaggebendes Kaufkriterium

    Titelbild: Pixabay /  ElisaRiva / 2019

    Werbung von Influencern

    Zudem ergab eine aktuelle Studie der Media Elements Group, dass mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer den Social-Media-Multiplikatoren vollstes Vertrauen schenken. Anders als bei klassischer Werbung, wird der Produkthinweis der Influencer nicht als störend empfunden. Ganz im Gegenteil nach den Empfehlungen von Freunden und Familie stellen die Vorschläge der Influencer sogar das wichtigste Kaufkriterium dar.  

    [Quelle: https://www.wuv.de/marketing/die_bedeutung_von_influencern_nimmt_zu?xing_share=news]

    25% der Befragten sagen eine Empfehlung eines Influencers ist so viel wert, wie die eines Freundes oder Familienmitgliedes

    Umwelteinflüsse des Online-Shoppings

    22%, der in der Studie befragten Frauen gaben an, dass sie manchmal oder auch regelmäßig Bestellungen tätigen, bei denen sie im Vorhinein schon wissen, dass sie davon etwas zurücksenden werden. Und ganz ehrlich dieses Verhalten kenne ich auch von mir selbst. Zum einen, wenn es darum geht, dass man sich bei der Größe nicht ganz sicher ist. Zum anderen habe oft große Bestellungen aufgegeben, bei denen ich von vornherein davon ausgegangen bin, dass ich davon nicht alles behalten werde. Allein aus dem Grund, da ich es mir nicht hätte leisten können. Da die meisten Shops keine zusätzlichen Versandkosten erheben, wird einem die Entscheidung über eine Bestellung mehr oder weniger noch erleichtert. “Falls ich es doch nicht behalten will, schicke ich es eben zurück. Kostet ja nichts.” Jedoch ist diese Annahme zu kurz gedacht.

    “Es entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten”, erklärte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement. 

    Bei meinem Rückfall Anfang Oktober, als ich 13 Pakete nach Hause geliefert bekommen habe, habe ich auch genauso viele wieder zurückgeschickt. Ich habe zwar einige Teile behalten, allerdings immer nur etwa eins oder zwei aus jedem Päckchen oder habe das Paket eins zu eins, wie ich es bekommen habe, wieder zurückgesendet. Insgesamt gingen 75% der Waren wieder zurück an den Versender. 

    Für 2018 wurde ermittelt, dass allein in Deutschland 280 Millionen Pakete und damit 487 Millionen Artikel wieder zurückgeschickt wurden. Das bedeutet, dass letztes Jahr jedes sechste Paket wieder die Rückreise angetreten hat. Dabei beläuft sich der entstandene CO2-Verbrauch auf geschätzt 238.000 Tonnen. Das sind etwa 85.000 Flüge von Berlin nach Canberra.

    [Quelle: https://germany.myclimate.org/de/flight_calculators/new

    11% aller im Internet bestellten Waren werden wieder zurückgeschickt

    Eine Retourensendung verursache im Durchschnitt Kosten von etwa 19,51 EUR. Etwa die Hälfte davon fällt für den Transport an. Die andere Hälfte, um die Retour zu sichten und weiterzuverarbeiten. Und da kommen wir auch schon zum Knackpunkt. Häufig lohnt sich der Kostenaufwand nicht, die Produkte erneut zu begutachten und für den Wiederverkauf aufzubereiten. Für den Händler ist es dann wirtschaftlicher die Waren direkt zu vernichten. Produkte, die aus hygienischen Gründen nicht definitiv nicht wiederverkauft werden, sind beispielsweise Matratzen. Schätzungen zufolge soll die Vernichtung von retournierten Waren bei etwa 4% liegen. Das wären bei unseren 280 Millionen Paketen dann elf Millionen Pakete für die Schrottpresse.

    [Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/amazon-zalando-otto-die-retouren-republik-deutschland-a-1271975.html]

    Dazu wurde bereits im Sommer 2018 berichtet, dass beispielsweise Amazon Retouren im großen Stil vernichtet. Schon damals wurde von Greenpeace ein “gesetzliches Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware” gefordert.

    [Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-vernichtet-neuwertige-waren-in-grossem-stil-a-1211876.html]

    4% aller retorunierten Waren wird vernichtet

    Im Sommer diesen Jahres wurden die Stimmen zu einem entsprechenden Gesetzesentwurf wieder lauter. Die Grünen haben erneut ein Verbot für die Vernichtung zurückgesendeter Artikel gefordert. Dieser Vorschlag stieß bei den Versandhändlern auf starke Gegenwehr. So würden bereits jetzt 92% der waren weiterverkauft, anderweitig verwertet und ein Prozent der retournierten Produkte gespendet. 

    Nichtsdestotrotz hat unser derzeitiges Konsumverhalten erhebliche Folgen. Ich finde vor allem im Zusammenhang mit dem Black Friday und dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft sollten wir uns alle nochmal genau überlegen, was wollen wir schenken, was davon bestellen wir online und müssen die bestellten Produkte dann auch noch retourniert werden. Ich halte es dieses Weihnachten wie jedes Jahr. Freunde und Familie bekommen selbstgebackene Plätzchen.