Warum kaufen wir eigentlich so viel?

    Warum kaufen wir eigentlich so viel?

    Wie mein Mann immer so schön sagte: ich bin der perfekte Konsument. Anstatt eines Lohns, könnten mir auch Gutscheine ausgezahlt werden, die ich dann fleißig in den diversen Klamottenläden einlösen würde. Also zumindest war das vor über zehn Monaten noch so. Aber warum habe ich eigentlich nicht aufhören können etwas zu kaufen, obwohl ich wusste, dass weder mein Geldbeutel noch meine Ehe, das auf lange Dauer aushalten würden? Warum machen wir immer weiter? Wie schafft es die Modeindustrie immer wieder unser Verlangen zu wecken?

    Ganz einfach: aus dem Gefühl des Mangels heraus. Ich bin nicht genug. Mit dem Kauf eines Produktes, sei es ein iPhone oder eine Gucci Tasche, wird unserem Unterbewusstsein suggeriert, wir seien nun mehr wert, da wir dieses oder jenes besitzen. Wir wollen durch die Produkte eleganter, kreativer, innovativer, kompetenter oder was uns auch immer gerade, unserer Meinung nach fehlt, wirken. So einfach und so effektiv. Nicht nur bei mir, sondern bei einem sehr großen Teil der Gesellschaft wird so die Lust auf immer mehr Konsum geschürt. Im letzten Jahr (2018) lagen die Gesamtausgaben für Bekleidung und Schuhe in Deutschland bei 77,78 Milliarden EUR.

    Quelle:   https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161570/umfrage/konsumausgaben-privater-haushalte-in-deutschland-fuer-bekleidung-zeitreihe/ 

         Bilquelle: Julian O’hayon / Unsplash / 2019

    Immerhin ein kleiner Lichtblick, denn damit haben die Deutschen 2018 weniger für diese Konsumgüter ausgegeben, als noch im Jahr 2017. Nichtsdestotrotz zeigt die Trendlinie klar nach oben. 

    Laut deutschland.de liegen die Ausgaben für Bekleidung mit gerade mal 4,4% nur auf Platz 7 der insgesamt 10 genannten Posten. Das scheint jetzt auf den ersten Blick gar nicht so viel zu sein. Schaut man sich jedoch den Anteil für Bildung mit 0,7% an, der damit auf Platz 10 landet, wird einem schon etwas anders.

    Quelle: https://www.deutschland.de/de/topic/leben/konsumausgaben-dafuer-geben-deutsche-ihr-geld-aus 

         Bilquelle: Georgia de Lotz / Unsplash / 2019

    Neben der Standard-Werbung aus TV und Print (falls sich das noch jemand anschaut), erreichen uns die meisten Werbebotschaften ja eher über facebook und Instagram. In meinem Fall definitiv Letzteres. Auch heute bin ich nicht davor gefeit, mir die hübsch inszenierten Modefotos weitenreichenstarker Influencer anzuschauen und zu denken: “Ach das hätte ich auch gern…!” Bis ich dann direkt daran denke: “Wozu? Du hast alles. Dein Kleiderschrank platzt. Welche Lücke möchtest du mit einem neuen Kleidungsstück füllen und geht das vielleicht auch auf anderem Weg?” Wie in vielen Situationen im Leben hilft auch hier das bewusste Reflektieren. Sei dir deiner Gedanken und Gefühle bewusst. Sei achtsam und schaue dir an wie und warum du dich entsprechend verhältst. So wird es dir immer leichter fallen, bestimmte Muster zu durchbrechen. Manchmal ist es auch viel erfüllender Dinge zu “produzieren”, als zu konsumieren. Mal ein Bild, spiel ein Instrument, schreibe eine Geschichte, fotografiere, sing ein Lied, ….oder oder oder.  Und falls du dir dann doch mal überlegst etwas zu kaufen oder es dich gerade wieder packt, frage dich immer selbst: “Brauche ich das wirklich?” Oft hilft es auch Kaufwünsche eine Nacht oder auch mal eine Woche unberührt zu lassen und sich dann wieder zu fragen: “Möchte ich das noch haben?”. Sei achtsam mit dir und deinen Gefühlen und hinterfrage deine Entscheidungen. Das hilft nicht nur gegen vermehrten Konsum, sondern auch in allen anderen Lebenslagen 😉

    Titelbild: jacek dylag / Unsplash / 2019

    Wie Online-Shops mich ruinierten

    Wie Online-Shops mich ruinierten

    Wenn es bei gelegentlichen Shoppingeskapaden im Einkaufszentrum geblieben wäre, dann hätte mein Konto das vielleicht gerade noch so verkraften können. Aber unsere moderne Welt bietet uns so unendlich viele Möglichkeiten. Natürlich auch die, das man ungehindert 24/7 shoppen kann. Ach, was sind wir gesegnet. Keine Schließzeiten, kein Gedränge, endlose Auswahl. Genau diese verheißungsvollen Vorzüge werden für mich zum Verhängnis. 

    Ich verbringe Stunden, Tage und Wochenenden damit mich in diversen Online Shops rum zu treiben und eine Seite nach der anderen durch zu scrollen. Immer mit der Vorstellung des idealen Outfits im Kopf. Den netten Herrn, der im Lottoladen immer die Pakete für mich entgegennimmt, kenne ich mit Vornamen und er bekommt auch jedes Jahr von mir ein Weihnachtsgeschenk für seine Mühen. Auch die vielen Gesichter anderer Nachbarn sind mir gut bekannt, da ich auch dort häufig Pakete abholen muss. In den schlimmsten Phasen vergeht kein Tag, an dem nicht ein Zettel im Briefkasten liegt. Bestellungen, die weit über der 500 EUR Marke liegen, werden zur Gewohnheit. Mir kommt das tatsächlich auch gar nicht viel vor. Das behalte ich doch eh nicht alles, sind so meine Gedanken als ich mit der Maus auf den Bestellen Button klicke. Mittlerweile schicke ich schon teure Taschen oder sehr große Pakete an meine Oma, damit mein Mann davon nichts mitbekommt, um dann später so zu tun, als hätte ich diese Dinge schon seit Jahren besessen. Häufig versuche ich auch früher am Briefkasten zu sein als mein Mann, damit er die Zustellungszettelchen nicht findet oder ich versuche Bestellungen so zu timen, dass ich diese zu Hause entgegennehmen kann, ohne, dass er davon etwas mitbekommt. Ich bin so ein Fuchs -.-’

    Heftige Auseinandersetzungen nehmen zu

    Nein bin ich nicht so superschlau, wie ich dachte, denn mein Mann bekommt natürlich früher oder später doch mit, dass da das eine oder andere Teil vorher noch nicht im Kleiderschrank lag. Da ich auch einen ausgesprochen fantastischen Mann habe, macht dieser auch, glaubt es oder glaubt es nicht, die Wäsche. Da fällt das selbstverständlich doppelt auf. Der Streit, dass schon lange nichts mehr in den Schrank passt, ich genau dieses Teil schon besitze und das Geld zum Fenster rauswerfe, ist vorprogrammiert. Wir haben uns, trotz langer Beziehung und Heirat, dazu entschieden getrennte Konten zu behalten und sind damit auch sehr zufrieden. So ist mir momentan (ein Glück) noch die Möglichkeit verwehrt das Geld meines Mannes gleich mit aus dem Fenster zu werfen. So tue ich das nur indirekt, indem er immer häufiger normal anfallende Rechnungen von seinem Konto mit ausgleich muss. Mir fehlt leider das Geld mich an den standardmäßigen Kosten, wie beispielsweise dem Lebensmitteleinkäufen, zu beteiligen. Schlechtes Gewissen und Diskussionen darüber, wo denn mein Gehalt schon wieder abgeblieben sei, inklusive. Das Schockierende ist im Nachhinein nur, dass mich das alles nicht davon abgehalten hat, genauso weiter zu machen.  

    Mein Weg von der Kaufsucht zur erfolgreichen Anlegerin

    Mein Weg von der Kaufsucht zur erfolgreichen Anlegerin

    Hallo Zusammen, mein Name ist Jessi, ich bin 28 Jahre alt und ich habe ein Problem. Ich kaufe einfach zu viel. Einige oder vielleicht sogar viele von euch kennen das sicher, diesen einen Gedanken, der sich manchmal festsetzt und wie einem das letzte Puzzleteil zum Glück erscheint: dieses eine Stoffteil muss ich mir noch unbedingt kaufen, dann ist alles perfekt. Es ist auch wirklich nur noch dieses eine Kleidungsstück, das mir noch fehlt, was auf dem Insta-Foto einfach grandios aussah. Den Rest für das Outfit hab ich bereits, aber ich brauche unbedingt noch diesen einen Pulli, jene Shorts oder das eine Paar Pumps, damit es mindestens so stylisch aussieht, wie ich es im Netz gesehen hab.

    Der Klamottenkauf hat mich über den Tag gerettet

    Im Prinzip halte ich mich den ganzen Tag mit diesem einen Gedanken über Wasser, dass ich nach der Arbeit ja noch schnell dieses eine Teil shoppe, bevor ich dann danach wie geplant zum Sport gehe. Bei mir befindet sich das Fittnessstudio direkt in einem Shoppingcenter. Wow, wie praktisch für mich. Irgendwie brauche ich den Kauf, um auch mich überhaupt erst zum Sport motivieren zu können. Ganz hinten in meinem Kopf, hinter dieser alles überstrahlenden Vorstellung des perfekten Outfits, ist so ein winziges, kleines nagendes Gefühl, so ein dumpfes Pochen. Ach ja, Gewissen heißt das bei den Meisten. Ja, natürlich meldet sich das auch bei mir…

    “Dir ist schon klar, dass du dir das eigentlich nicht leisten kannst, weil du gestern erst, als du eigentlich zum Sport wolltest, schon zwei Pullis gekauft hast?!”

    Ach scheiße, geht schon irgendwie, ich hab doch gespartes Geld, dann nehme ich eben das. “Aber du weißt schon, dass Näherinnen ausgebeutet werden und die Umwelt verpestet wird, nur damit du wieder ein Teil mehr in deinen Kleiderschrank pfropfen kannst, das du nach zwei Tagen eh wieder vergessen hast?!”

    Ach Klappe, es ist doch auch nur noch dieser eine Pulli, der mir noch fehlt, nur noch dieser eine Pulli….

    Ich habe meine Einkäufe vor anderen verheimlicht  

    Genau das sag ich mir immer wieder, während der Stapel an Kleidungsstücken auf meinem Arm immer höher wird und ich berauscht in die Umkleide stürme. Ich probiere die ersten Teile an, wow sieht gut aus. Der Pulli sieht genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hab, perfekt. Meine Augen leuchten, mein Gesicht strahlt, wie bei einer 14-jährigen, die gerade das erste Mal ihren Promi-Schwarm live vor sich sieht. Mein Problem ist nur, ich habe nicht nur einen Schwarm, es sind plötzlich fünf. Ich habe mich gerade in fünf Kleidungsstücke verliebt. Und ich bin mir ganz sicher, dass ich ohne diese nicht mehr weiterleben kann. Ich ziehe alles noch mal an und überlege, ob ich das wirklich alles kaufen soll und wie ich das Zeug am besten zu Hause vor meinem Mann verstecke. Eigentlich ist das meine größte Sorge, nicht, dass dabei so viel Geld flöten geht, sondern, ob mein Mann seine Drohung bald wahr macht und die Scheidung einreicht, wenn ich nicht bald aufhöre, den zwanzigsten Rock und die zehnte Tasche in der gleichen Farbe zu kaufen.

    Ich überlege also, wann mein Mann nicht zu Hause ist, was gar nicht so einfach ist, da er aufgrund seines Berufes, viel von zu Hause arbeitet. Da war doch diese eine längere Konferenz morgen, perfekt! Ich lagere die Sachen einfach im Auto und schmuggle sie dann später einfach heimlich in die Wohnung. Puhhh, so kanns klappen. Super, denke ich und schlendere gemütlich mit meinen neuen Schätzen zur Kasse. Zahlen bitte!

    Wieder einmal habe ich zu viel gekauft

    Zum Sport kann ich an diesem Tag leider nicht mehr gehen, denn das Kaufen dieses einen geplanten Pullis hat mich nun 2,5 Stunden gekostet und shopping ist ja auch cardio und bla bla bla, warum muss ich mich eigentlich rechtfertigen. Ich fahre mit meiner Beute nun nach Hause, glücklich und zufrieden. Hahhh, denkste, morgen ist ein neuer Tag, mit neuen Instagram-Posts, mit neuen Outfits, mit neuen stylischen Teilen, mit neuen Wünschen und mit neuen Ich-muss-haben-Gedanken.

    Und die Moral von der Geschicht: Ich hab ein Problem, ich verlier die Übersicht!

    Titelbild: Unsplash / Lauren Fleischmann / 2019