Mein Rückfall in die Kaufsucht

    Mein Rückfall in die Kaufsucht

    Ich würde hier jetzt gern schreiben, dass das jetzt ein hypothetischer Beitrag ist, aber leider ist dem nicht so. Der Siegesrausch über meine gewonnene ein Jahr #noshoppingchallenge hielt leider nur sehr kurze Zeit an, beziehungsweise hat mich übermütig gemacht. Als ich noch dachte ich hätte es im Griff, geriet schon alles aus den Fugen.

    Warum hatte ich einen Rückfall in die Kaufsucht?

    Ich bin kein Psychologe oder Verhaltensforscher, daher kann ich mich diesem Problem nur aus einer sehr subjektiven Richtung nähern. Dass ich einen so starken Rückfall hatte, hat für mich folgende Ursachen. Zum einen denke ich, dass der Aufschub über das vergangene Jahr sehr große Willenskraft gekostet hat und diese war nun nach über 12 Monaten einfach aufgebraucht. Zum anderen sind in meinem Kopf die alten Gewohnheiten und die Verknüpfung zwischen Shoppen und dem dadurch ausgelösten Glücksgefühl einfach noch so stark, dass, wenn ich einmal nicht aufpasse direkt wieder in alte Verhaltensmuster falle. Mein Mindset hat sich einfach wieder geändert von: “Nein, ich darf nichts kaufen. Ich muss dieses eine Jahr durchhalten.” auf: “Na jetzt darf ich ja wieder. Nur diese eine Bestellung noch.” 

    Alles fing auch damit an, dass ich mit meinem Mann tatsächlich offline einkaufen war. Ich dachte dabei kann ja auch nichts schlimmes passieren. Ich will ja nur mal gucken. Der Klassiker des Selbstbetrugs. Jedenfalls stöberte ich mich dann durch alle Läden und wurde (leider) auch recht häufig fündig. Ein Rock hier, ein Schal dort, und den kuscheligen Pulli nehme ich auch noch mit. Brauch man doch jetzt auch, wenns kalt wird. Natürlich ist ein richtiger Kaufrausch nichts, ohne die entsprechenden online Bestellungen. Mir schwirrten da seit Wochen schon einige Teile im Kopf herum, die ich so in den Läden nicht gefunden hatte, also wurde geklickt und gescrollt was das Zeug hielt. Was genau dabei herausgekommen ist, kannst du weiter unten nachlesen.  

    Wie sah mein Rückfall aus?

    Vielleicht haben die einen oder anderen von euch es ja mitbekommen. Vor circa zwei Wochen startete wieder die jährliche Glamour Shopping Week. Für mich leider der Anlass zu einer absoluten Eskalation. Das schizophrene daran ist, dass ich mir folgender Dinge absolut bewusst war:

    • Mit Rabatten sparst du nicht, sondern du gibst natürlich trotzdem Geld aus

    • Die Rabatte sollen dich nur triggern, um noch mehr zu kaufen

    • Rabatte kommen immer wieder

    • Du übertreibst, so viele Sachen kannst du gar nicht brauchen

    • Du verfällst in alte Muster

    • Du hast gar nicht so viel Geld, um das alles zu bezahlen

    • Was sagt dein Mann, wenn wieder hunderte Paket eintreffen?

    • Du handelst gerade allem, was du im letzten Jahr gelernt hast, zuwider

    • Auch, wenn du das alles zurückschickst, mussten dafür trotzdem sinnlos Pakete ausgeliefert werden

    Trotz all dieser Gedanken konnte ich einfach nicht aufhören. Ich habe mal ausgerechnet wie viele Pakete ich bestellt habe, welche Kosten das verursacht hat und was ich letztendlich davon behalten habe. Und das alles innerhalb einer Woche.

    Wie bereits beschrieben fing alles mit dem offline Einkauf an. Dieser sah wie folgt aus:

     

    Wo?

    Was?

    Wie viel?

    H & M

    Pullover, Hemd

    42,48 EUR

    s.Oliver

    Hemd, Schal, Rock

    109,98 EUR

    Peek & Cloppenburg

    Rock

    29,99 EUR

    Hunkemöller

    3 x BH

    45,98 EUR

     

    Das heißt wir haben bei unserer kurzen Shoppingtour insgesamt 228,43 EUR ausgegeben.

     

    Dann ging es weiter mit den online Bestellungen:

      

    Wo?

    Was?

    Wie viel?

    Behalten?

    Kosten?

    H & M

    3 x Kleid dreireihige Kette, Longbluse

    92,95 EUR

    Kette, Longbluse

    26,55 EUR

    Mango

    2 x Kleid, Sweatshirt, Leggins

    117,96 EUR

    Kleid, Leggins

    51,98 EUR

    Zalando

    7 x Pullover, Rock, Schuhe, 2 x Kleid

    423,86 EUR

    Pullover

    24,99 EUR

    About You

    3 x Pullover, 3 x Schuhe

    301,38 EUR

    Pullover, Schuhe

    72,16 EUR

    Kapten & Son

    3 x Brillen

    243,95 EUR

    2 x Brillen

    142,40 EUR

    Luckyme online

    Strickmantel, Kleid, Pullover

    129,70 EUR

    Kleid

    44,90 EUR

    Calzedonia

    3 x Strumpfhose

    30,28 EUR

    3 x Strumpfhose

    30,28 EUR

    Asos

    2 x Leggins, Lederjacke, Kleid

    154,37 EUR

    Nakd

    Blazer, Bluse, Hose

    119,88 EUR

    Diese Sachen kamen insgesamt in 13 Paketen. In meinem Kaufrausch habe ich online innerhalb weniger Tage für sage und schreibe insgesamt 1.614,33 EUR Bekleidung bestellt. Mir wird jetzt in dieser Sekunde erst bewusst, wie viel das ist. Auch, wenn ich davon nicht alles behalten habe, ist es nichtsdestotrotz ein enorm hoher logistischer und umweltschädigender Aufwand, der da betrieben wurde und definitiv ein Rückfall in die Kaufsucht. Behalten habe ich Waren im Wert von 393,26 EUR. Rechne ich jetzt noch den Betrag von 228,43 EUR vom Kaufhausbummel dazu, komme ich auf unglaubliche 621,69 EUR.

    621,69 EUR, die ich innerhalb weniger Tage nur für Bekleidung, Schuhe und Accessoires ausgegeben habe. 

    Ich wollte gerade schreiben: “Bitte sagt mir nicht, dass ich die Einzige bin, die so ist.” Aber ich muss sagen, dass ich mir wirklich wünschen würde, dass nur sehr wenige Menschen mit so etwas zu kämpfen haben. Jedoch befürchte ich, dass es doch eher umgekehrt ist. 

    Wie geht es weiter?

    Wie nach einem fetten Weihnachtsessen, an dem man sich schwört im neuen Jahr direkt wieder mit dem Sport anzufangen, habe ich mir wenige Tage nach dem Rückfall geschworen, wieder ein halbes Jahr eine Shoppingpause einzuhalten. Denn anscheinend bin ich ein Mensch der in Extreme verfällt. Ich kenne kein Maß. Bei mir gibt es entweder nur ganz oder gar nicht. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis! Jedoch fällt es mir gerade wieder sehr schwer mir ein solches Verbot aufzuerlegen, auch, wenn mir spätestens nach dem letzten Shoppinganfall klar sein müsste, dass es nicht anders geht. Direkt heute morgen habe ich wieder in einem Newsletter ein Kleid entdeckt, dass ich unbedingt haben wollte. Sofort habe ich gegoogelt, wo sich die nächste Filiale in meiner Nähe befindet. Ich will ganz ehrlich sein, ich weiß noch nicht, ob ich es kaufen werde oder nicht. Ich weiß auch noch nicht, ob ich wieder ein halbes oder vielleicht auch wieder ein ganzes Jahr ohne einzukaufen (Gott klingt das krank, dass Nicht-Einkaufen für mich eine der größten Herausforderungen ist) durchstehen „möchte“. Darüber muss ich mir die nächsten Tage erstmal im Klaren werden. Nur eines ist mir bewusst, so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Ich halte weiterhin an meinen Vorsatz fest:

    • Mehr sparen und weniger Konsum   

    To be continued!

    Warum kaufen wir eigentlich so viel?

    Warum kaufen wir eigentlich so viel?

    Wie mein Mann immer so schön sagte: ich bin der perfekte Konsument. Anstatt eines Lohns, könnten mir auch Gutscheine ausgezahlt werden, die ich dann fleißig in den diversen Klamottenläden einlösen würde. Also zumindest war das vor über zehn Monaten noch so. Aber warum habe ich eigentlich nicht aufhören können etwas zu kaufen, obwohl ich wusste, dass weder mein Geldbeutel noch meine Ehe, das auf lange Dauer aushalten würden? Warum machen wir immer weiter? Wie schafft es die Modeindustrie immer wieder unser Verlangen zu wecken?

    Ganz einfach: aus dem Gefühl des Mangels heraus. Ich bin nicht genug. Mit dem Kauf eines Produktes, sei es ein iPhone oder eine Gucci Tasche, wird unserem Unterbewusstsein suggeriert, wir seien nun mehr wert, da wir dieses oder jenes besitzen. Wir wollen durch die Produkte eleganter, kreativer, innovativer, kompetenter oder was uns auch immer gerade, unserer Meinung nach fehlt, wirken. So einfach und so effektiv. Nicht nur bei mir, sondern bei einem sehr großen Teil der Gesellschaft wird so die Lust auf immer mehr Konsum geschürt. Im letzten Jahr (2018) lagen die Gesamtausgaben für Bekleidung und Schuhe in Deutschland bei 77,78 Milliarden EUR.

    Quelle:   https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161570/umfrage/konsumausgaben-privater-haushalte-in-deutschland-fuer-bekleidung-zeitreihe/ 

         Bilquelle: Julian O’hayon / Unsplash / 2019

    Immerhin ein kleiner Lichtblick, denn damit haben die Deutschen 2018 weniger für diese Konsumgüter ausgegeben, als noch im Jahr 2017. Nichtsdestotrotz zeigt die Trendlinie klar nach oben. 

    Laut deutschland.de liegen die Ausgaben für Bekleidung mit gerade mal 4,4% nur auf Platz 7 der insgesamt 10 genannten Posten. Das scheint jetzt auf den ersten Blick gar nicht so viel zu sein. Schaut man sich jedoch den Anteil für Bildung mit 0,7% an, der damit auf Platz 10 landet, wird einem schon etwas anders.

    Quelle: https://www.deutschland.de/de/topic/leben/konsumausgaben-dafuer-geben-deutsche-ihr-geld-aus 

         Bilquelle: Georgia de Lotz / Unsplash / 2019

    Neben der Standard-Werbung aus TV und Print (falls sich das noch jemand anschaut), erreichen uns die meisten Werbebotschaften ja eher über facebook und Instagram. In meinem Fall definitiv Letzteres. Auch heute bin ich nicht davor gefeit, mir die hübsch inszenierten Modefotos weitenreichenstarker Influencer anzuschauen und zu denken: “Ach das hätte ich auch gern…!” Bis ich dann direkt daran denke: “Wozu? Du hast alles. Dein Kleiderschrank platzt. Welche Lücke möchtest du mit einem neuen Kleidungsstück füllen und geht das vielleicht auch auf anderem Weg?” Wie in vielen Situationen im Leben hilft auch hier das bewusste Reflektieren. Sei dir deiner Gedanken und Gefühle bewusst. Sei achtsam und schaue dir an wie und warum du dich entsprechend verhältst. So wird es dir immer leichter fallen, bestimmte Muster zu durchbrechen. Manchmal ist es auch viel erfüllender Dinge zu “produzieren”, als zu konsumieren. Mal ein Bild, spiel ein Instrument, schreibe eine Geschichte, fotografiere, sing ein Lied, ….oder oder oder.  Und falls du dir dann doch mal überlegst etwas zu kaufen oder es dich gerade wieder packt, frage dich immer selbst: “Brauche ich das wirklich?” Oft hilft es auch Kaufwünsche eine Nacht oder auch mal eine Woche unberührt zu lassen und sich dann wieder zu fragen: “Möchte ich das noch haben?”. Sei achtsam mit dir und deinen Gefühlen und hinterfrage deine Entscheidungen. Das hilft nicht nur gegen vermehrten Konsum, sondern auch in allen anderen Lebenslagen 😉

    Titelbild: jacek dylag / Unsplash / 2019

    Wie ich in den letzten 10 Jahren 75.000 EUR verloren habe

    Wie ich in den letzten 10 Jahren 75.000 EUR verloren habe

    Meine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und diese ganze Rechnerei faszinieren mich ja schon irgendwie. Ohne, dass ich jetzt ein Mathegenie gewesen wäre, ganz im Gegenteil, wenn beste Freundin mir damals zu Schulzeiten nicht ständig den Arsch gerettet hätte, dann wäre das wohl nix geworden mit der Allgemeinen Hochschulreife. Ich musste damals aufgrund meiner Fächerkombination in Mathematik Abitur ablegen und das war gelinde gesagt ziemlich beschissen, also mit Nachprüfung und allem drum und dran. Nun sitze ich hier und bastle gern Tabellen und will sehen, wie mein kleiner Geldhaufen wächst. Ich glaube, wenn es solche Beispiele damals in der Schule gegeben hätte, wäre ich vielleicht ein bisschen interessierter gewesen. 😉

    So viel Geld habe ich in den letzten 10 Jahren für Bekleidung ausgegeben

    In meinem letzten Beitrag habe ich euch ja davon berichtet, wie viel Geld ich für Bekleidung und andere Dinge ausgegeben habe. Insgesamt waren das hochgerechnet auf die letzten 10 Jahre etwa 51.500 EUR. Dabei habe ich auch meinen geringeres Einkommen in den Jahren zuvor mit einbezogen. Nichtsdestotrotz können sich diese 51.500 EUR schon sehen lassen. Also ich würde sie nehmen. Nur noch dramatischer wird es, wenn wir uns diese Summe mal im Zusammenhang mit einer Anlagestrategie anschauen, denn ich habe die 51.500 EUR nicht nur verkonsumiert, sondern im Prinzip durch das Nicht-Anlegen auch noch 24.000 EUR verloren. Hähh, wie das denn? Wie ich das meine, will ich hier mal kurz in einer Tabelle zusammenfassen:

    Jahr

    Klamotten-Geld

    Rendite MSCI World

    Rendite in €

    Rendite + Klamotten-Geld

    2008

    2.000,00 €

    -38,30%

    -766,00 €

    1.234,00 €

    2009

    2.000,00 €

    26,50%

    857,01 €

    4.091,01 €

    2010

    2.000,00 €

    10,60%

    645,65 €

    6.736,66 €

    2011

    2.000,00 €

    -3,50%

    -305,78 €

    8.430,87 €

    2012

    3.000,00 €

    14,60%

    1.668,91 €

    13.099,78 €

    2013

    4.000,00 €

    29,60%

    5.061,54 €

    22.161,32 €

    2014

    5.000,00 €

    10,40%

    2.824,78 €

    29.986,09 €

    2015

    6.000,00 €

    2,60%

    935,64 €

    36.921,73 €

    2016

    8.000,00 €

    9,60%

    4.312,49 €

    49.234,22 €

    2017

    8.000,00 €

    19,10%

    10.931,74 €

    68.165,95 €

    2018

    9.500,00 €

    -2,50%

    -1.941,65 €

    75.724,31 €

    51.500,00 €

    24.224,31 €

     

     

    Unsplash / Alexandra Gorn / 2019

    Was ist mir dabei durch das Nicht-Anlegen zusätzlich flöten gegangen?

    Für dieses Beispiel habe ich mal angenommen, dass ich jedes Jahr eine gewisse Summe für Bekleidung ausgegeben habe. Von zaghaften 2.000 EUR im quasi nahezu mittellosen Alter von 18 bis hin zu meinen stolzen, an Wahnsinn grenzenden 9.500 EUR im letzten Jahr. Dann komme ich am Ende auf das nette Sümmchen von 51.500 EUR. Jetzt muss ich ein bisschen an deine Vorstellungskraft appellieren. Also fantasieren wir uns gemeinsam in das Jahr 2008 zurück und auf wundersame Weise gebe ich mein Geld nicht für Klamotten aus, sondern investiere es in den MSCI World. Dieser ist vor zehn Jahren mit -38% zur Zeit der Wirtschaftskrise ziemlich abgeschmiert. Somit hätte ich in diesem ersten Jahr etwa 766 EUR “verloren”. Zusätzlich war mein Vergangenheits-Ich auch schon so schlau, wie ich das heute bin und hätte aus Angst nicht alles verkauft, sondern auf eine Buy-and-Hold Strategie gesetzt. Das heißt ich hätte mein Geld nicht aus dem Markt gezogen, sondern auch noch im Gegenteil was total Verrücktes gemacht. Nämlich jedes Jahr das Geld, dass ich sonst für Bekleidung ausgegeben hätte, oben drauf gelegt. Trotz dieses anfänglichen “Verlustes”, sieht das am Ende dann ziemlich gut aus, denn ich hatte nicht nur das gesparte Geld plus das Geld, dass ich jedes Jahr dazu gepackt hätte, sondern noch die nette Rendite vom MSCI World. Auch, wenn diese zwischendurch stark schwankt, liegt sie innerhalb der letzten 10 Jahre durchschnittlich bei einem Plus von 8%.

    So habe ich also nicht nur 51.500 EUR für Klamotten ausgegeben, sondern auch noch 24.000 EUR on top eingebüßt. Insgesamt ein wirklich nettes Sümmchen von etwa 75.000 EUR. Son Polster wäre schon was Feines gewesen. Für mich ein ziemlicher Batzen Kohle. Aber genug der Träumerei. Ich habe quasi null Euro, aber dafür einen platzenden Kleiderschrank mit Dingen, die nahezu auch nur noch null Euro wert sind, sieht man mal von den etwas teureren Taschen ab. Na herzlichen Glückwunsch! Hilft ja alles nichts, sich jetzt darüber zu ärgern was ich alles nicht gemacht habe. Das einzig Fatale wäre nur, aus dieser theoretischen Rechnung nichts zu lernen. Deshalb werde ich es jetzt richtig angehen!    

    Unsplash / Michael Longmire / 2019