Warum ich niemals in Apple Aktien investieren würde?

    Warum ich niemals in Apple Aktien investieren würde?

    Erst neulich sind wir bei einer Familienfeier mal wieder auf das Thema Finanzen gekommen. Natürlich interessiert mich auch, wie Freunde und Bekannte dazu stehen und wie diese mit ihrem Geld umgehen. Mit die häufigsten Antworten, die ich dann bekomme, wenn es ums Sparen und investieren geht, sind: “Ja, darum sollte ich mich auch mal kümmern. Wenn ich eine Frage habe, komme ich nochmal auf dich zu.”, “Nächstes Jahr fange ich direkt an, bisher hat es einfach nicht gepasst.” und eines meiner Lieblingsvorurteile: “Ach ihr Börsenheinis. Alles Verbrecher.” Solche Reaktionen bin ich mittlerweile gewohnt. Ich versuche dann zwar weiter dazu zu motivieren, sich mit seinen Finanzen auseinander zu setzen, aber den letzten Schritt muss jeder im Endeffekt dann selbst gehen. Als ein Bekannter dann jedoch stolz verkündete, dass, wenn er nur das nötige Kleingeld hätte, sofort in Apple oder Tesla Aktien investieren würde, da musste ich dann doch einschreiten und kurz erklären, warum ich nicht in Apple Aktien investieren würde. Zumindest nicht nur.

    Setze nicht alles auf ein Pferd

    Gehen wir nochmal zurück in das Jahr 1996. Das Jahr, in dem die Telekom an die Börse ging und fast 2 Millionen Kleinanlegern mit der “Volksaktie” ein Stück des Unternehmens erwarben. Telekom-Chef Sommer sagte damals: „Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein.“ Leider hält diese Zusage nicht sehr lange an. Zu Beginn sieht alles noch sehr vielversprechend aus.

    Am ersten Handelstag steht die Aktie noch bei 33,20 DM und steigt Anfang 2000 sogar auf über 100 DM. Die große Ernüchterung erfolgt mit dem Platzen der Dotcom-Blase. Im Jahre 2002 fällt die T-Aktie sogar unter 10 DM. Zahlreiche Anleger verlieren Tausende, nicht wenige Hunderttausende Euro.

    Die Konsequenz, die die meisten Deutschen aus diesem, zum Teil ersten Herantasten an die Börse, mitgenommen haben, war: “An der Börse kann man nur verlieren. Nie wieder. Ab mit dem Geld aufs Sparbuch, da ist es wenigstens sicher.”

    Titelbild: Unsplash / Medhat Dawoud / 2019

    Verständlich, dass die Menschen nach einer solchen Erfahrung eine derartige Schlussfolgerung ziehen. Leider jedoch ist das genau die falsche Erkenntnis gewesen. Und hier kommen wir auch wieder an den Punkt zurück, warum ich nicht in Apple Aktien investieren würde. Die Lehre aus der T-Aktien Katastrophe sollte nicht lauten: “Ich lege mein Geld nur noch aufs Sparbuch.”, sondern: “Ich setze nicht alles auf ein Pferd.”

    Der Schlüssel lautet Diversifikation

    Genau an diesem Punkt kommen unsere ETFs ins Spiel. Exchange Traded Funds (ETFs) sind so angelegt, dass diese einen Index nachbilden. Das kann man sich etwa folgendermaßen vorstellen. Der Dax beispielsweise ist ein Index (Vergleichsgröße) für die 30 größten, börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Da man nicht direkt in den DAX investieren kann, gibt es ETFs. Diese bilden beispielsweise auch den Aufbau des DAX nach. Das bedeutet, dass in einem DAX ETF genau die gleichen Unternehmen, mit der gleichen Gewichtung, wie im DAX enthalten sind. Es gibt noch zahlreiche weitere ETFs und entsprechende Indizes. Der MSCI World zum Beispiel umfasst insgesamt über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern. So kann man sich mit der Zusammenstellung mehrerer ETFs ein eigenes umfassendes Weltportfolio aufbauen. Der Schlüssel lautet Diversifikation.

    Das ist auch genau der Grund, warum ich niemals nur in Apple Aktien investieren würde. Auch, wenn mir damit vielleicht nicht das Gleiche passiert, wie mit den Telekom-Aktien, was ich natürlich nie wissen kann, wäre alles auf eine Karte zu setzen viel zu riskant. Genauso verhält es sich natürlich auch mit anderen Aktien einzelner Unternehmen, Branchen und Regionen. Das heißt nicht, dass anteilig auch in einem der ETFs Apple mit enthalten ist, jedoch nicht als alleiniges Unternehmen. Weitere Infos zu Diversifikation findest du hier.    

    Was ist Diversifikation?

    Was ist Diversifikation?

    Eines sei vorweg gesagt, bei deinem Weltportfolio, das du dir aufbaust, ist Diversifikation, das was dir im Notfall den Hintern rettet. Wie das? Das möchte ich dir kurz anhand eines Beispiels erklären: Stellen wir uns mal vor du kaufst Aktien von Facebook. Kann man ja erstmal nicht viel falsch machen. Datensammler Zuckerberg wird sich sicherlich immer wieder neue Methoden einfallen lassen, um sein Unternehmen schön profitabel zu halten. So weit so gut und nun nehmen wir mal an, die Daten werden gehackt oder verkauft, es werden neue Gesetze erlassen, was auch immer. Das Ganze kommt ans Licht und die Öffentlichkeit weiß Bescheid. Jedenfalls rauscht jetzt die Facebook Aktie ganz gewaltig in den Keller. Deine ganz Kohle ist futsch, weil du alles auf ein ach so sicheres Pferd gesetzt hast. Doof gelaufen.

    Wie kann ich mit Diversifikation mein Risiko minimieren?

    Wie lässt sich das denn nun vermeiden? Das ist eigentlich ganz einfach, indem du dein Geld auf unterschiedliche Unternehmen verteilst. Diversifikation ist das Zauberwort. Und jetzt kommen wieder deine ETFs ins Spiel. Diese sind ja schon ein bunter Strauß an unterschiedlichen Unternehmen, in die du mit einem Schlag investieren kannst. Also investierst du nun in einen DAX ETF. Das ist an sich ganz nett, dort enthalten sind schließlich schon mal 30 Unternehmen. Leider ist das immer noch nicht ganz ideal. Mal ganz rein hypothetisch die deutsche Wirtschaft geht richtig krachen, dann bringt dir dein DAX ETF leider auch keine Punkte mehr. Also, um eine möglichst breite Streuung zu erzielen und somit das Risiko zu minimieren, falls dir mal ein Bereich in deinem Portfolio abschmiert, gibt es bereits fertige Weltportfolios. Ja es gibt Menschen da draußen, die haben sich für dich schon ihren Kopf zerbrochen und haben das in Biolek-Manier schon mal für dich vorbereitet. Besonders gut in Gerd Kommers “Souverin investieren” nachzulesen. Dieses Buch solltest du auf jeden Fall holen. Dort wird jeder einzelne Punkt zum Thema ETF nochmal ganz ausführlich behandelt.

    Unsplash / 2019

    Wähle ein für dich passendes Weltportfolio

    Je nach Budget, das du investieren kannst, kannst du zwischen sechs unterschiedlichen Weltportfolios wählen. Von der super Pro-Variante, bei der du dein Geld auf 10 unterschiedliche Positionen verteilen kannst, bis hin zu der Einsteiger-Variante für kleines Budget mit nur einem einzigen ETF. Dabei musst du natürlich bedenken, dass ein ETF allein, nicht genau die Diversifikation bieten kann, die es ein Portfolio bestehend aus: sechs ETFs für entwickelte Länder, ein ETF für Schwellenländer und zusätzlich Rohstoffe und Immobilien leisten kann. 

    Daran kannst du schon sehen, dass Diversifikation nicht nur bedeutet auf unterschiedliche Unternehmen zu setzen, die sich auf eine Region beschränken, sondern global verteilt sein sollten. Zusätzlich hat sich auch schon jemand überlegt, wie das Ganze gewichtet sein, also welcher prozentuale Anteil in welchen ETF fließen soll. Einfacher gehts quasi nicht 🙂 Mit den ETFs für die Industrieländer und die Schwellenländer deckst du immerhin schon mit über 2.400 Aktien aus 23 Industrieländern und 24 Schwellenländern einen verdammt großen Bereich ab. Hinzu kommt, dass du mit den ETFs für Rohstoffe und Immobilien noch in unterschiedliche Asset-Klassen investieren kannst. Asset…was? Warte kurz, erklär ich dir gleich 😉