Medien – Bereicherung oder Zeitverschwendung?

    Das Netflix, Insta und Co. echte Zeitfresser sein können, sollte jedem spätestens nach dem letzten Serien-Marathon (den wir alle schon mal hatten) bewusst sein. Nichtsdestotrotz haben die Medien natürlich auch ihre Daseinsberechtigung. Sei es, um sich Inspiration zu holen, etwas neues zu lernen, das Weltgeschehen zu verfolgen oder sich auch einfach mal zu entspannen aka berieseln zu lassen. Vor allem im Hinblick auf Produktivität und Sinnhaftigkeit unserer Freizeitgestaltung kann unser Umgang mit Medien einen ganz entscheidenden Faktor darstellen.

    Wie ist die Mediennutzung in Deutschland?

    In einer Studie von 2018 des Verbandes für Private Medien [Quelle:  https://www.vau.net/pressemitteilungen/content/mediennutzung-2018-deutsche-nutzen-erstmals-9-stunden-taeglich ] wird festgestellt, dass die Mediennutzung auf 10,5 Stunden pro Tag angestiegen ist. Ok, das überrascht jetzt erstmal nicht so sehr, da dazu neben dem klassischen TV und Radio, auch Internet, E-Books und die Nutzung des Smartphones zählen. Ich finde es fast überraschender, dass es nicht mehr ist. Nutze ich doch beispielsweise von morgens bis Abends mein Smartphone, um Instagram, Hörbücher oder Musik zu konsumieren und an manchen Abenden vor dem Fernseher auch alles gleichzeitig. 

    Aber weiter im Text.

    Erstaulich finde ich hier nur, dass das Fernsehen immer noch an vorderster Stelle liegt. Sind da die Streamingdienste eigentlich schon mit inbegriffen? So oder so verbringen wir Deutschen also gern 236 Minuten täglich vor dem TV. Das sind einfach mal fast vier Stunden pro Tag! Wow, das ist fett! Selbstverständlich muss man hier auch mit einbeziehen, dass sich die Altersspanne von 14 bis 69 Jahre erstreckt. Wenn ich mich zurückerinnere habe ich als Teenager auch noch bedeutend mehr Fernsehen geschaut, als das jetzt der Fall ist. Und auch bei einem Rentner kann ich mir gut vorstellen, dass die eine oder andere Stunde mehr des Tages mit “Rote Rosen” und Florian Silbereisen verstreicht.     

    Titelbild: Unsplash / Julius Drost / 2019

    Nutzung des Internets

    In den Auswertungen der ARD/ZDF Onlinestudie von 2017/2018 wird die Internetnutzung noch mal in Minuten aufgeschlüsselt. Spannend finde ich dabei, dass insgesamt so wenig Zeit auf die Streamingdienste und den Bereich Musik verfällt. Ebenso überraschend sind für mich die starke Nutzung von WhatsApp, E-Mail und anderen Messengerdiensten.

    Nutzung der Streamingdienste

    Ebenso ging aus der Studie hervor, dass die Nutzung von Streamingdiensten im Jahre 2018 gerade mal 17 Minuten betrug. Da hier alle Altersklassen mit einbezogen (14 bis über 70 Jahre) werden, um die Nutzungsdauer der Zielgruppe herauszufinden, muss man sich eher an der Behauptung von Cindy Holland orientieren. Die “Vice President of original Content” bei Netflix sagt, dass der klassische Netflix-Nutzer pro Tag etwa zwei Stunden den Streamingdienst in Anspruch nimmt. Dabei handelt es sich hierbei wahrscheinlich um die Gruppe der 14- bis 29- Jährigen und das weltweit. Dabei gilt es zusätzlich zu bedenken, dass Netflix ja nur ein Streamingdienst von vielen ist, aber mitunter der beliebteste.

    [Quelle: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2019/Ergebnispraesentation_ARD_ZDF_Onlinestudie_PUBLIKATION_extern.pdf]

    Nutzung soziale Medien

    In dem von We are Social und Hootsuite veröffentlichten Digital Report 2019 wurde festgestellt, dass die durchschnittliche Internet-Nutzungsdauer bei mehr als 4,5 Stunden liegt. Davon entfallen etwas mehr als eine Stunde auf die sozialen Medien.

    Meine persönliche Nutzungsdauer (privat an einem Wochentag)

    Jetzt haben wir mal einen kleinen Rundumschlag über die verschiedenen Kanäle und Medien gemacht, die uns den ganzen Tag über so begleiten. Zeit eine eigene Bilanz zu ziehen.

    Hörbücher: 180 min

    Musikstreaming (Spoitify / iTunes): 210 min 

    Podcasts: 30 min

    Streaming (Netflix): 40 min 

    Bücher: 60 min

    Instagram: 44 min 

    WhatsApp: 10 min

    Skype: 30 min

    Private E-Mails: 40 min 

    Herkömmliches TV / Radio / Facebook: 0 min

    Mein TV-Konsum

    Häufig liest man ja in vielen Blogs oder hört in Podcasts, dass die besonders “erfolgreichen” Menschen (etwas spitz formuliert, aber ich denke ihr versteht was ich meine) erst gar keinen Fernseher haben. Wie wir ja in den Anfangsstudien gesehen haben, ist TV (ich setze das mal hier auch mit Streaming gleich) einer der größten Zeitfresser bei der Freizeitgestaltung ist. Daher möchte ich hier nochmal gesondert auf das Thema eingehen.

    Als ich damals mit meinen Mann (vor nunmehr als sieben Jahren) zusammenzog, war das bei uns ähnlich. Bei uns stand so ein ganz altes Röhrenteil rum, das auch nur benutzt wurde, wenn mein Mann eine DVD für die Vorbereitung einer Unterrichtsstunde anschauen musste. Das Ding hatte weder Kabel- noch Internetanschluss, so wie heute üblich. Und wir fanden es super. Zu der Zeit war tatsächlich Radio das Medium unserer Wahl. Auch später, nachdem wir in eine größere Wohnung zogen, lebten wir über ein halbes Jahr ohne Fernseher, da ich immer überzeugt war, dass wir das nicht brauchen würden. Irgendwann kam dann aber ein Moment, ich glaube dieser fiel mit dem Kauf einer neuen Playstation zusammen, an dem wir uns doch dazu entschieden wieder einen Fernseher anzuschaffen. Danach ging alles recht schnell. Netflix-Abo und gestreamt, was das Zeug hielt. Also ich glaube unser Serien-Konsum war zu dieser Zeit recht hoch und das blieb auch die letzten Jahre so. Mal schauten wir weniger, mal etwas mehr.

    Nachdem wir im Sommerurlaub nicht ein Mal die Glotze anhatten, passierte etwas merkwürdiges. Auch zu Hause blieb der Bildschirm schwarz. Und das für ganze zwei Monate und fünf Tage. Gebrochen wurde dieser Lauf eines schönen, aber auch langweiligen Sonntag-Nachmittags, als ich mich einfach nur ein bisschen ablenken wollte. An sich war die Auszeit aber sehr schön, gefüllt mit Hörbücher und mehr Gesprächen. Manchmal habe ich jedoch das Gefühl, dass mich das Fernsehen schauen entspannt und deshalb gibts jeden Abend mal wieder eine Dreiviertelstunde Netflix. Ich versuche dann darauf zu achten, dass wir bis zum Schlafengehen noch eine Stunde Zeit haben, in der wir lesen, um den Kopf etwas runter zu fahren. 

    Wie kannst du deine Zeit erfassen?

    Falls du bisher immer Probleme mit dem Zeitmanagement hattest oder dir nicht mehr ganz sicher warst, wann du wie viel Zeit mit welcher Tätigkeit verbracht hast, können Time-Tracking Apps Abhilfe schaffen. In den Apps kannst du ganz leicht deine Aufgaben eintragen, diese in Sub-Aufgaben unterteilen und auch hierachisch ordnen. Ich nutze derzeit Eternity Time Log. So bekomt man eine gute Übersicht über die einzelnen Tätigkeitsfelder des Tages. Mir geht es hier nicht darum für jedes kleine Projekt die Zeit genau zu erfassen, sondern wirklich für die Übergeordneten Kategorien, wie Lesen, Social Media, TV, Musik hören und so weiter. Natürlich kann man eine solche Übersicht auch ncoh viel detaillierter gestalten. Wenn du dich für andere Time-Tracing Apps interessierst, gibt es hier eine sehr gute Zusammenfassung: 

    Wo ist nur die Zeit geblieben? Time-Tracking-Apps für Webworker

    Fazit: Wir sind den ganzen Tag von irgendwelchen Medien umgeben. Irgendetwas dudelt immer, leuchtet uns entgegen oder pinkt uns an. Daher finde ich es besonder wichtig, sich die Zeit, die man mit einer bestimmten Tätigkeit verbringt, sei es E-Mails checken, durch die Instagram-Timeline zu scrollen oder einen Netflix Serienmarathon starten, bewusst vor Augen zu führen. Der Tag hat für uns alle nur 24 Stunden und jeder von uns hat Ziele, die er erreichen möchte. Ich hab dann in den allermeisten Fällen auch überhaupt kein Problem damit, den Fernseher inmitten der spannendsten Stelle des Films auszuschalten (mein Mann kann ein Lied davon singen), wenn das TV Zeitkontingent abgelaufen ist. Auch hier gilt, wie in allen Bereichen des Lebens (ich weiß es klingt abgedroschen, aber das macht es nicht weniger wahr) “Balance is the key”. Ich hab keine Lust mir das Fernsehen komplett zu verbieten oder am besten das Ding gleich aus unserer Wohnung zu verbannen, denn auch ich möchte mal zwei Folgen “Stranger Things” nacheinander schauen. Ich lese ja auch mal zwölf Stunden lang ein Buch, wenn mir danach ist. Mir muss währenddessen aber bewusst sein, dass mir dabei die Zeit an anderer Stelle fehlt oder ich im Idealfall bereits alle anderen Aufgaben abgehakt hab. Dann schleicht sich weder das schlechte Gewissen ein, noch der Druck, der entsteht wenn etwas nicht erledigt ist. Ich glaube, dass feste Zeitvorgaben, wie bei der Erledigung von Aufgaben im Berufsalltag, genauso auch bei der Freizeitgestaltung helfen können, sich nicht in seinen Medienkonsum zu verlieren.