Was ist das Nettovermögen?

    Hier kann ich dir gleich mal zu Beginn einen Leitsatz mitgeben, an den du dich immer halten kannst: Nicht dein Einkommen entscheidet über dein Vermögen, sondern, wie viel du davon behältst.

    Nehmen wir mal an, Anne verdient im Monat 10.000 EUR und Franzi bringt “nur” 2.000 EUR nach Hause. Das muss aber nicht zwangsweise bedeuten, dass Anne vermögender ist, als Franzi. Wie das? Anne hat einen recht verschwenderischen Lebensstil und muss neben dem Haus auch noch das Auto abbezahlen. Zusätzlich fliegt Anne gern einmal im Jahr in die Ferne und unternimmt den einen oder anderen Städtetrip. Ab und an gönnt sie sich eine teure Designer-Handtasche. Am Ende des Monats bleibt von Annes Gehalt so gut wie nichts zum Sparen übrig. 1% ihres Gehalts landet auf einem Tagesgeldkonto. Franzi hingegen wohnt zur Miete und ist schon seit längerem auf das Fahrrad und den Öffentlichen Nahverkehr umgestiegen. Ihre Urlaube gestaltet sie eher aktiv, als luxuriös und bleibt dabei in Europa. Ihre Kleidung kauft sie qualitativ hochwertig, aber dafür sehr selten. Am Ende des Monats bleiben Franzi 30% ihres Gehalts, das sie in ETFs investiert.

    So hat Anne am Ende des Jahres auf ihrem Tagesgeldkonto: 1.200 EUR und Franzi Aktien-ETFs im Wert von: 7.200 EUR

    Das ist jedoch nur ein Teil zur Berechnung des Nettovermögens, aber schon anhand dessen wird sichtbar, dass es nicht darauf ankommt, wieviel du verdienst, sondern auch, was du damit anstellst. 

    Titelbild: Pixabay /  3D Animation Production Company / 2019

    Wie berechne ich mein Nettovermögen?

    Das Nettovermögen ist die Differenz zwischen deinen Verbindlichkeiten (Schulden) und deinen Vermögenswerten

    Zu den Verbindlichkeiten würden hier in Annes Beispiel die Kredite für das Haus und ihr Auto gehören. Beides Dinge, die ihr nicht gehören, für die sie monatlich Geld aufbringen muss und die keinen Cashflow erzeugen, also Geld in ihre Taschen spülen. Als Vermögenswert anzusehen ist hier die Summe, die Anne auf ihrem Tagesgeldkonto anspart. In Franzis Falle sind das ihre ETFs. 

    Beispiel für Nettovermögens-Tabelle:

    Die Person in meinem Beispiel hat 5.000 EUR auf einem Tagesgeldkonto angespart. Das gehört allgemeinhin zu den risikolosen Vermögenswerten. Der risikobehaftete Anteil verteilt sich mit insgesamt 73.000 EUR auf Wertpapiere aus Anleihen und Aktien sowie Immobilien und Rohstoffe. So beläuft sich die Summe der Aktiva auf insgesamt 78.000 EUR. 

    Schauen wir uns die Verbindlichkeiten an, sehen wir hier einen Kredit von 2.000 EUR und sonstige Schulden, die sich auf 3.000 EUR belaufen. Die Summe der Passiva beträgt somit insgesamt 5.000 EUR.

    Die Differenz aus den Aktiva und Passiva ergibt ein Nettovermögen von 73.000 EUR. 

    Deine Vermögenswerte können in risikolos und risikobehaftet aufgeteilt werden. Das ist auch die Grundlage für deine Strategie. Nachdem du deinen monatlichen Sparbetrag festgelegt hast, teilst du diesen in risikobehaftet und risikolos auf. Das entscheidest du je nach deiner Risikobereitschaft. Bist du sehr risikobereit investierst du beispielsweise 80% deines Sparbetrags in risikoehaftete Wertpapiere und sparst die restlichen 20% auf einem Tagesgeldkonto. 

    Bei der Immobilie gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen. Erstmal musst du unterscheiden, ob es sich dabei um eine selbstbewohnte oder vermietete Immobilie handelt. Dann kannst du den derzeitigen Verkaufswert und bei der vermieteten Immobilie die Mieten auf die Aktiva Seite schreiben. Sind die Immobilien noch nicht abbezahlt, kommen natürlich noch die Kredite auf der Passiva Seite hinzu. Eine selbstbewohnte Immobilie kann nun, wie bereits erwähnt unterschiedlich betrachtet werden. Geht man dabei beispielsweise nach der Definition von Robert Kiyosaki (Rich Dad, poor Dad) ist die selbstbewohnte Immobilie kein Vermögenswert, da diese keinen Cashflow erzeugt, ganz im Gegenteil, sie verursacht durch Renovierungen, Reparaturen und Steuern noch Kosten. Natürlich hat das Haus an sich einen gewissen Wert, der je nach Marktlage steigen oder fallen kann. 

    Bekannte von mir haben vor einigen Jahren ein Haus im Speckgürtel Berlins gekauft und dieses nun für einen weitaus höheren Preis wieder verkauft. Hat man jedoch nicht vor, sein Haus zu verkaufen, wird dieses auch nie einen positiven Cashflow erzeugen können. Deshalb gilt für mich bei einer selbstbewohnten Immobilie immer der Leitsatz: Ein Haus ist eine Lifestyle-Entscheidung, wie ein teures Auto.  

    Aus der aktuellsten Vermögensstudie der Bundesbank (Erhebung 2017) geht hervor, dass das durchschnittliche Nettovermögen in Deutschland bei 232.800 EUR liegt. Dieses ist jedoch sehr ungleich verteilt. So besitzen die unteren 50% der Bevölkerung 3% des Nettovermögens und die oberen 10% etwa 55% des Nettovermögens. Der Medianwert des Vermögens, also die Situation, die Haushalte in der Mitte der Verteilung abbildet, liegt bei 70.800 EUR. Einen starken Unterschied gibt es auch zwischen Ost und West. Liegt der Median im Osten bei 23.400 EUR, so beträgt er im Westen 92.500 EUR. 

    Warum ist das Nettovermögen so wichtig?

    Wie anfangs bereits erwähnt, ist es nicht das Gehalt, das deinen finanziellen Erfolg bestimmt, sondern dein Nettovermögen. Viele Menschen vergleichen ihre Gehälter miteinander und bestimmen danach ihren finanziellen Standpunkt. Jedoch sagt das Gehalt nichts aus. Nur dein Nettovermögen kann dir zu einem Tag-x sagen, wo du gerade stehst und dir damit einen Startpunkt für deine Ziele geben. Nur von deinem Nettovermögen aus, kannst du bestimmen, welche finanziellen Ziele du in den nächsten Monaten / Jahren erreichen möchtest. Nur ein positives Nettovermögen kann die Grundlage für finanzielle Freiheit darstellen. 

    Natürlich spielen die Einnahmen bei der Erhöhung des Nettovermögens eine entscheidende Rolle, aber (ich kann es nicht oft genug sagen), nur, was du davon behältst oder investierst, findet seinen Weg in deinen Nettovermögens-Topf. 

    Falls du also das Ziel haben solltest, dein Gehalt in 2020 zu erhöhen, denke gleich einen Schritt weiter und überlege dir welche Vermögenswerte du damit vergrößern möchtest und nicht, ob du davon ein neues Auto kaufst 😉