Was bedeutet physische und synthetische Replikation?

    Wenn du mit deiner Finanzplanung bereits soweit fortgeschritten bist, dass du dich schon im Auswahlprozess für deine ETFs befindest, dann sind dir die Begriffe physische und synthetische Replikation sicher schon einmal untergekommen. Falls nicht, schauen wir uns diese beiden Bezeichnungen nun mal etwas näher an. Schließlich stellen sie ein wichtiges Entscheidungskriterium dar.

    Titelbild: Unsplash / Zdeněk Macháček / 2020

    Was bedeutet Replikation?

    Wie wir wissen handelt es sich bei einem ETF um einen Fonds, dessen Ziel es ist einen bestimmten Index nachzubilden. Das sollte am besten so genau und so kostengünstig wie möglich geschehen. So ist es für dich als ETF-Anleger möglich an den Einnahmen aller im Index enthaltenen Wertpapiere teilzuhaben. Replikation heißt in diesem Zusammenhang nichts anderes als Nachbildung. Um nun einen Index ideal nachzubilden wurden verschiedene Methoden entwickelt und diese schauen wir uns nun einmal näher an.

    Die physische Replikation

    Eine dieser Methoden zur Nachbildung eines Indexes ist die physische Replikation. Dabei werden die Unternehmen, Branchen und deren Gewichtung aus dem Index eins zu eins in den ETF übertragen. 

    Als Beispiel können wir uns hier mal den DAX (Deutschen Aktienindex) anschauen.    

    Die Zusammensetzung der ersten zehn Unternehmen und deren Gewichtung sieht dabei folgendermaßen aus:

    Unternehmen

    Indexgewichtung in %

    SAP

    10,31

    Linde

    9,80

    Allianz

    8,70

    Siemens

    8,49

    Bayer

    6,32

    BASF

    5,91

    Adidas

    4,99

    Deutsche Telekom

    4,52

    Daimler

    3,97

    Munich Re

    3,59

    Bei einer physischen Replikation würde das bedeuten, dass nun im ETF genau die gleichen Unternehmen mit genau der gleichen Gewichtung enthalten wären. Problematisch kann das insofern nur werden, wenn sich die Unternehmen und deren Gewichtung verändern. BEi einer Anpassung des ETFs an den Index kann es zu Transaktionskosten und Abweichungen gegenüber dem Index kommen. 

    Beim DAX mit seinen 30 Unternehmen scheint eine physische Nachbildung noch recht überschaubar zu sein, aber, was ist, wenn wir beispielsweise den MSCI Emerging Markets mit seinen mehr als 1.400 Bestandteilen nachbilden wollen. Und das Ganze auch noch recht kostengünstig? Da kann sich die vollständige Replikation über die klassische physische Methode schon als schwierig erweisen. Aus diesem Grund gibt es noch weitere Verfahren, um einen Index nachzubilden.

    Das Sampling

    Wie bereits angesprochen wird es bei sehr vielen Titeln, wie beispielsweise beim MSCI World oder dem MSCI Emerging Markets schwierig, diese alle eins zu eins nachzubilden. Die Replikation kann dann mittels sogenanntem Samplings durchgeführt werden. Beim Sampling werden bestimmte Kriterien zur Auswahl der einzelnen Titel angesetzt. Das mündet meist darin, dass nur diejenigen Titel tatsächlich aus dem Index physisch erworben werden, die auch den größten Einfluss auf den Kurs haben. Oft werden dabei computergestützte Optimierungsverfahren angewendet, um so den Index mit nur wenigen Titeln nachbilden zu können (optimized sampling). 

    Vorteile des Samplings gegenüber der physischen Replikation

    Der Vorteil der Sampling-Methode gegenüber der physischen Nachbildung besteht im Wesentlichen darin, dass durch eine geringere Anzahl von Titeln die Transaktions- und Verwaltungskosten reduziert werden können. Es muss also bei Veränderungen einfach nicht so viel hin und her geschoben werden, um wieder eine genaue Nachbildung des Indexes zu erhalten. Das kann dir als Anleger auf der einen Seite entgegenkommen. Auf der anderen Seite bedeutet eine weniger genaue Replikation des Indexes auch eine mögliche schlechtere Performance des ETFs. Die Abweichungen zwischen dem ETF und dem Index wird als Kennzahl ausgewiesen und als sogenannter Tracking Error bezeichnet. 

    Die synthetische Replikation

    Die synthetische Replikation zeichnet sich dadurch aus, dass die Index-Nachbildung hier mittels eines Tauschgeschäfts erfolgt. Deshalb werden synthetisch (oder auch indirekt) replizierte ETFs auch als Swap-ETFs bezeichnet. Beim Swap schließt der ETF einen Vertrag mit einer Bank, meist dem Mutterkonzern des ETFs. Dabei verpflichtet sich die Bank die Rendite des Indexes zu zahlen und bekommt dafür vom ETF eine Gebühr. So werden Teile des Indexes über einen Swap nachgebildet. Diese Form der Replikation wird vor allem in Nischenmärkten oder bei Rohstoffen verwendet. Ansonsten wäre es für die meisten Anleger gar nicht möglich überhaupt in Rohstoff-ETFs zu investieren. Der Vorteil der synthetischen gegenüber den physischen ETFs liegt darin, dass diese häufig kostengünstiger und auch mit einem kleineren Tracking-Error nachgebildet werden können. Nachteil ist jedoch das sogenannte Kontrahentenrisiko. 

    Was ist das Kontrahentenrisiko?

    Wir erinnern uns, dass der ETF einen Vertrag mit einer Bank abschließt. Diese Bank ist der Kontrahent. Das Risiko besteht nun darin, dass der Kontrahent seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, sprich die entsprechende Rendite nicht mehr zahlen kann. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Finanzinstitut während einer Krise pleite geht. Natürlich wird versucht dieses Risiko so weit wie möglich durch verschiedenste Maßnahmen zu reduzieren. Nichtsdestotrotz sollte man hier genau abwägen, ob man sich für einen physisch replizierten oder einen Swap-ETF entscheidet.