Die Klamotten-Abstinenz – ein Neustart

    Langsam geht mir ein Licht auf. Es kann doch nicht sein, dass, wenn man in seinem Leben schon grob überschlagen 150.000 EUR verdient hat, davon einfach nichts mehr übrig ist. Und da jetzt kleine Geldgeschenke von den Verwandten nicht mit einberechnet und wie gesagt, war ich auch am Anfang meiner sogenannten Karriere eher Typ Praktikantin. Die Summe mag für den einen wenig, für den anderen viel sein. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Klar hat man auch fixe Kosten, die gedeckt werden müssen, vor allem, wenn man nicht so viel verdient und ab und an will man sich ja auch mal was gönnen, aber, dass am Ende so gar nichts übrig bleibt….

    Ich versuche an meiner Einstellung zu arbeiten

    Also möglich ist es schon, dieses ganze Geld auszugeben. Diejenige, die dieses Wunderwerk vollbracht hat, lacht mich schließlich jeden Tag im Spiegel an. Ich google das erste Mal “ keine Kleidung kaufen”. Ich lese verschiedene Blog-Artikel zu diesem Thema, sogar ein Buch bestelle ich mir. Noch traue ich der ganzen Sache nicht. Kleiner Spoiler an der Stelle: das wird noch ganz verrückte Züge annehmen, wart mal ab. 😉 Also man soll sich ja kleine Ziele setzen. Schritt für Schritt und so.

    Mensch, das haben so viele andere Frauen auch schon geschafft und du kneifst jetzt oder was? Öhm ja, eigentlich hab ich darauf gar keinen Bock. Ich finds nämlich scheiße keine Klamotten mehr zu kaufen, ich will dem Konsum frönen. So wie mir das schließlich mein ganzes Leben lang eingetrichtert wurde: “Nur der Konsum kann dich glücklich machen! Nur wer besitzt, ist vollkommen! Und Werbung hat immer Recht!” Klingt doch logisch oder?!

    Langsam merke ich, dass da an meiner Einstellung irgendwas ganz gewaltig schief gelaufen ist. Ich meine für unsere Konsumgesellschaft bin ich so perfekt konditioniert, dass bei diversen Online-Shops sicher regelmäßig ein kleines Tischfeuerwerk abgefeuert wird, wenn ich mich gerade mal wieder auf deren Startseite bewege.

    Ich werde langsam einsichtig

    Mein Mann meinte mal, bei mir würde es ausreichen, wenn mir am Ende des Monats kein Gehalt ausgezahlt werden würde, sondern ich einfach nur Einkaufsgutscheine bekommen würde. Ja, Recht hatte er, kam bei mir nur nicht an. Bis jetzt! Die kognitive Dissonanz zwischen euphorischem Glücksgefühl und dem beißenden schlechten Gewissen beim Kauf von Dingen, die man ja eigentlich unbedingt braucht, aber eigentlich auch nicht, macht mich langsam fertig. Und jetzt ist durch die Autoreparatur auch noch die ganze Kohle weg, kein Puffer mehr. Okay Sweatheart, Arschbacken zusammenkneifen. Hör jetzt endlich auf Scheiß zu kaufen!

    Titelbild: Unsplash / Kristopher Roller / 2019